Projekt

„Raus mit der Sprache“ ist ein Dichterwettstreit, der die ganze Schule mit einbezieht. Im Schuljahr 2005/2006 von Helge Thun und Jakob Nacken ins Leben gerufen, läuft das Projekt nun im vierten Jahr sehr erfolgreich an bislang zehn Schulen in Tübingen, Reutlingen, Mössingen, Waldenbuch, Nagold, Albstadt-Ebingen und Herrenberg und wird mittlerweile von der Stiftung Kunst und Recht, der Kreissparkasse Tübingen und weiteren Sponsoren unterstützt und gefördert.

Hintergrund:

„Raus mit der Sprache!“ knüpft an zwei erprobte Konzepte der Bühnenpoesie an, den „Poetry Slam“ und „Reim gewinnt!“.

„Reim gewinnt!“ ist eine Live-Unterhaltungsshow, die aktuelle Themen aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur aufgreift und als Wettbewerb zweier Dichterteams inszeniert. Dabei werden auch klassische Formen der Lyrik aufgegriffen und aus heutiger Sicht parodiert.

Poetry Slams sind offene Dichterwettstreite, bei denen einzelne Autoren ihre Texte auf einer Bühne präsentieren und anschließend vom Publikum bewertet werden. Dabei entscheiden sowohl die Qualität des Textes als auch die des Vortrages.

Ziele:

Die Schüler aller Klassen und Jahrgangsstufen sollen durch den Wettbewerb dazu motiviert werden, eigene Gedichte und Texte zu schreiben und vor Publikum vorzutragen.

Dadurch werden zusätzlich zum kreativen Prozess auch Kompetenzen wie Bühnenpräsenz, klares Sprechen und selbstbewusstes Auftreten gefördert. Trotz des Wettkampfcharakters stehen nicht die Konkurrenz sondern vielmehr der Spaß und das gemeinsame Erfolgserlebnis auf der Bühne im Vordergrund.

Durch die Einbindung möglichst vieler Schüler in die Vorbereitung einer gemeinsamen „Raus mit der Sprache Show“ kann darüber hinaus das Gemeinschaftsbewusstsein der Schülerschaft insgesamt gestärkt werden. Und nicht zuletzt hat auch schon so mancher Lehrer durch dies Projekt sein lyrisches Weltbild revidieren müssen und wieder neue Lust auf Poesie bekommen.

Die 7 Phasen des Projektes an der Schule:

1. Vorstellung Lehrer: Die Projektleiter stellen das Projekt zunächst im Rahmen einer Deutschlehrerkonferenz vor, da die Deutschlehrer das Projekt in seiner Anfangsphase in ihrem Unterricht unterstützen müssen (1. Schulstunde - s.u.). Einer der Deutschlehrer wiederum muss sich als verantwortlicher „Kontaktlehrer“ bereit erklären, die Koordination und Organisation des Projektes an der Schule zu übernehmen.

2. Vorstellung Schüler: Die Projektleiter - erfahrene Bühnenpoeten wie Helge Thun, Jakob Nacken und Harald Kienzler - präsentieren an einem Vormittag vor sämtlichen Schülern Auszüge aus ihrem Programm und stellen das Projekt vor. Dies geschieht in drei bis vier Blöcken (jeweils eine Schulstunde) und individuell auf die unterschiedlichen Altersgruppen zugeschnitten.

3. Schreibphase: Die Schüler bekommen die „Hausaufgabe“, Gedichte, bzw. Texte in bestimmten Formen oder zu bestimmten Themen (s.u.) zu schreiben. Die Texte werden bis zu einem festgelegten Datum im Rahmen des Deutschunterrichtes vorgetragen und gesammelt. Dabei trifft die Klasse eine Vorauswahl, welche drei bis vier Schüler sie beim Wettbewerb vertreten sollen.

4. Auswahlphase: Die so ausgewählten 80 bis 100 Schüler präsentieren ihre Texte den Projektleitern, welche die Texte einsammeln und wiederum die endgültigen ca. 40 Teilnehmer des Wettbewerbs bestimmen. (1 Schulstunde)

5. Vorbereitungsphase: Die teilnehmenden Schüler arbeiten in einigen Übungsstunden (während der regulären Unterrichtszeit) zusammen mit den Projektleitern an ihren Texten und an deren Vortrag.
Gleichzeitig werden alle Aspekte der Show wie Plakate, Handzettel, Bühnentechnik, Kartenvorverkauf, Abendkasse und evtl. Bewirtung und/oder musikalische Umrahmung durch eine Schülerband organisiert und vorbereitet.
Dabei ist die Unterstützung und Kooperation seitens der Schüler und (Kontakt-)Lehrer erforderlich. Es hat sich bewährt, die Schülervertretung organisatorisch in das Projekt mit einzubinden.

6. Öffentliche Aufführung (Abendveranstaltung): Präsentiert und moderiert von den beiden Projektleitern findet die erste Hälfte der Show nach dem Vorbild von „Reim gewinnt!“ statt. Das heißt die Schüler der Klassen 5-8 treten in jeweils zwei Teams mit ihren Gedichten in einem Spaßbetonten Wettkampf gegeneinander an.
In der zweiten Hälfte messen sich die älteren Schüler mit ihren freien Texten einzeln oder als Team im Poetry Slam.
Für die Begleitung der Schüler während der Show hinter der Bühne sollte mindestens eine Lehrperson (Kontaktlehrer) anwesend sein. Für die Vorstellung sind ein entsprechend großer Saal mit geeigneter Bühne, Licht und Tonanlage (zwei Handmikrophone) erforderlich. Die Einnahmen über den Kartenverkauf fließen in die Finanzierung des Gesamtprojektes.

7. Finale der Schulsieger: Ähnlich der letzten Phase findet das Poetry Slam Finale der Sieger aller Schulen unter der Moderation von Helge Thun und Jakob Nacken im Landestheater in Tübingen statt. Die Gewinner dieser Veranstaltung werden wiederum eingeladen am National U20 Poetry Slam teilzunehmen, bei dem sich die besten deutschsprachigen Nachwuchspoeten messen.

Mit den besten Dichtern der jüngeren Jahrgänge (5-8) findet im Sparkassen Carré in Tübingen eine Sondervorstellung statt, die ebenfalls von Helge Thun und Jakob Nacken präsentiert wird.

Aufgaben:

Die Schüler bekommen, ja nach Altersstufe, unterschiedliche Aufgabenstellungen.

- 5. Klasse: Schreibe ein Gedicht zum Thema „Tier(e)“ (aktuell: Der gereimte Witz)

- 6. Klasse: Schreibe ein Gedicht zum Thema „Märchen“ (aktuell: Ein Abenteuer-Gedicht)

- 7. Klasse: Schreibe ein Gedicht zum Thema „Liebe“ (aktuell: Die gereimte Utopie)

- 8. Klasse: Schreibe eine Parodie zu einem bekannten Gedicht (aktuell: Ein Gedicht aus einer anderen Perspektive)

- 9. bis 13. Klasse: Schreibe einen eigenen Text

(Ab der Klasse 9 sind Form und Inhalt völlig frei. Es kann also ein gereimtes Gedicht, ein Prosa Gedicht, eine Kurzgeschichte, ein Rap, ein Sketch, ein Kabarettistischer Text o.ä. sein. Es darf ein ernster, ein lustiger, ein trauriger, ein verliebter, ein bewegender, ein politischer oder sonst wie gearteter Text sein. Hauptsache, er ist selbst erdacht und geschrieben und dauert nicht länger als 5 Minuten!)

Kontaktlehrer(in):

Einer der wichtigsten Aspekte für das Gelingen des Projektes ist die Person des Kontaktlehrers bzw. der Kontaktlehrerin. Dies betrifft vor allem die enge Zusammenarbeit mit den Projektleitern und die Organisation innerhalb der Schule, also Information der Schüler, Freistellung einzelner Schüler vom Unterricht, Raum- und Terminplanung, Koordination von Werbung und Kartenvorverkauf.